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Klangraum – Videoinstallation für Solo-Instrumente

Am 24. September 2025 findet im Rahmen des Darmstädter Jazzforums um 18 Uhr die Vernissage der Ausstellung

"35 1/5 Umdrehungen – Die Geschichte des Jazzinstituts Darmstadt" im Jazzinstitut Darmstadt statt.

Für das Tonarchiv des Jazzinstituts konzipierte ich eine Videoinstallation – Ziel: den Sound von ausgewählten Solo-Instrumenten visuell und auditiv erlebbar machen. Im Fokus stehen einzelne Musikinstrumente und deren individuelles Klang-Spektrum, die ich mittels digitaler Zeichnungen interpretierte. Für die Klangraum-Installation fragte ich sechs Musiker:innen der deutschen Jazzszene an, deren speziellen Sounds mich nachhaltig beeindruckt haben und die ich über das Jazzinstitut kennenlernte.

Die einzelnen Videos zeichnete ich digital zu den Tracks in Echtzeit und verarbeitete diese zu einem Gesamtvideo. Bei der Verarbeitung verzichtete ich weitgehend auf Effekte und fokussierte mich auf die direkte visuelle Umsetzung. Jeder Wechsel zu verschiedenen Werkzeugspitzen oder Farben führt generell zu kleinen Verzögerungen in der Performance. Daher setzte ich je Stück maximal drei Werkzeugspitzen und wenige Farben ein.

Analog zur Live-Musik gibt es bei der digitalen Live-Zeichnung keine Korrekturmöglichkeit. Sie erfordert große Konzentration und höchste Präsenz. 

2021, DUO:LOG Ronny Graupe, Nicole Schneider © Wilfried Heckmann
2021, DUO:LOG Ronny Graupe, Nicole Schneider © Wilfried Heckmann

Seit 2018 beschäftige ich mich kontinuierlich mit der visuellen Umsetzung von Musik:
Live-Skizzen von Musiker:innen, analoge Weiterverarbeitung in größeren Formaten, abstrakte Umsetzungen. Ab 2021 kam zu analogen Darstellungsformen auch die digitale Zeichnung via iPad dazu. Diese Techniken eröffneten mir neben unterschiedlichen Werkzeugen und Stilmitteln auch die Möglichkeit mit Musiker:innen in einen gleichberechtigten Dialog Ton/Bild zu treten. Es  war die Konsequenz aus der kontinuierlichen  Auseinandersetzung mit Jazz. 

Hier ein paar Infos zur Entstehung des Klangraum-Videos:

2018 – 2025: Jazz, Jazz, Jazz! Und die Faszination hält an! Von diesen vielen Konzerten haben mich manche Musiker:innen mit ihrem Sound besonders nachhaltig beeindruckt – so der für mich unglaubliche Sound, den Matthias Muche mit seiner Posaune entstehen lässt. Mit Muche kam ich  in Kontakt, als ich bei den Proben zur Verleihung des Kathrin Preises an Luise Volkmann zeichnend dabei sein durfte. Schon damals dachte ich, wie großartig es sein könnte, sich mit diesem Posaunen-Klang künstlerisch auseinandersetzen zu dürfen.
In dem Video habe ich Techniken gewählt, die die Räumlichkeit des Posaunentons und dessen Dynamik erfassen.

Wie in der Live-Musik lassen sich Fehler nicht korrigieren – wenn der Strich nicht "saß", habe ich die Aufnahme so lange wiederholt, bis ich zufrieden war. 

Den Schlagzeuger Erwin Ditzner hatte ich bei einem Jazztalk mit Wolfram Knauer kennengelernt. Ich hatte viel Freude an seinen Sound-Experimenten und bereits 2021 ein erstes Video nach seinem Stück "Klick Klack Story" von der CD "Elements" /Fixelrecords erstellt.

Für das neue Video griff ich das Thema wieder auf und begleitete das Schlagzeug mit gestischen Pinselstrichen. 

Den Kontrabassisten Robert Lucaciu erlebte ich zum ersten Mal in der Stadtkirche Darmstadt. Später lernte ich ihn ebenfalls über den Kathrin-Preis etwas näher kennen.
Mich faszinierte sein Spiel mit dem Bogen. Für die Videos hat Robert mir zwei sehr unterschiedliche Stücke zur Verfügung gestellt, die die große klangliche Bandbreite des Instruments zeigen. Die rauhe Dynamik im Stück "midi avec Scelsi" kontrastiert hier zur flirrenden Zartheit der Hommage an den Künstler Alexander Calder: "Mobile (für A. Calder)"

Für die Gitarre griff ich auf eine Sequenz zurück, die bei der DUO:LOG-Performance 2021mit dem Gitarristen Ronny Graupe  im Jazzinstitut entstand. Den visuellen Part habe ich neu erarbeitet. 

Der Sound von Angelika Niescier  – einmalig und unverwechselbar. Auch hier hatte ich das Glück, bei Konzertproben mit dem Orang Orang Dance Theatre dabei sein zu können. Das Stück, das sie mir für die Installation zur Verfügung stellte, wurde in der Rollins Chapel, New Hampshire, USA kürzlich aufgenommen.
In Bezug auf das Gebäude habe ich mit ein paar räumlichen Elementen gearbeitet, für die tiefen Anfangsklänge wählte ich entsprechende Farbakkorde, ansonsten ließ ich den Strich "frei laufen". 

Auch die letzte Sequenz des Videos ist eng mit der Geschichte des Jazzinstituts verbunden – mit dem Jazzforum von 2019. 
Damals saß ich zufällig in der Pause im Vortragsraum, als sich der Pianist Hans Lüdemann einspielte. Es war für mich ein besonderes Erlebnis. Danach setzte ich mich über Tage mit seiner CD "Das Reale Klavier - Ein Kölner Konzert" von 2013 und dem Stück "Blaue Kreise" auseinander. Für das Video habe ich das etwas ruhigere Stück "Ankunft" gewählt. Lüdemanns Musik zeichnerisch zu folgen, ist für mich, wie auf eine Reise zu gehen. Der Prozess ist eimalig. Da gibt es kein zweites Take, ich habe die erste Videoaufnahme genommen.

Am Tag der Vernissage und bei der Finissage findet die Projektion mit zwei Beamern statt.

Herzlichen Dank von Klaus Endel, Studio Sound and More, der mir das Aufnahme-Equipment zur Verfügung gestellt hat!!

Und an das Jazzinstitut Darmstadt, besonders an Marie Härtling für die Unterstützung.