„Sein Glück schien vollkommen, als er nach langem, ziellosen Umherstrolchen plötzlich einen randvoll mit Wasser gefüllten Fluß fand. Er hatte noch nie einen Fluß gesehen: so ein glattes, gewundenes, pralles Tier, kollernd und kichernd, das Sachen gurgelnd ergreift und lachend wieder fahren läßt, um sich auf neue Spielgefährten zu stürzen, die sich von ihm losreißen, um sich noch einmal fangen zu lassen."
"Der Wind in den Weiden", Kenneth Grahame, Deutsch Harry Rowohlt, 1908 / 1973 / Büchergilde Gutenberg
Ich starte mein "Rhein-Projekt" mit diesem wunderbaren Zitat aus dem englischen Kinderbuch "Der Wind in den Weiden" von Kenneth Graham, in der Übersetzung
von Harry Rowohlt.
Wie beschreibe ich die Liebe zu einem Fluss, an dem ich "nur" vier Jahre meines Lebens verbracht habe? Vielleicht so:
Als ich im Januar 2026 mit der Bahn von St. Goarshausen durch das Rheintal fuhr, saß ein älterer Mann im Abteil und sah aus dem Fenster.
Bekümmert stellte er fest:
„Unser Rhein hat so wenig Wasser, das habe ich um diese Jahreszeit noch nicht erlebt“. Der alte Herr sprach über den Rhein mit liebevoller Sorge, wie von einem Freund.
Ich stelle mir vor – so in etwa ist das Gefühl, das ich mit Tausenden von Menschen teile:
diese Zuneigung zum Rhein, zu diesem Fluss, der sich immer wieder verändert und doch zuverlässig seiner "Aufgabe" nachgeht – er fließt.
Eine Liebe, die man gar nicht richtig beschreiben möchte – denn schließlich ist ein Fluss doch nur eine große Menge von H2O-Molekülen mit ein paar Schwebstoffen, die sich immer wieder neu
zusammensetzen, oder?
Ganz offiziell:
Der Rhein das sind 1232,7 km von den Quellen bis zur Mündung.
Er fließt durch die Schweiz, Liechtenstein, tangiert Österreich, begleitet Frankreich und Deutschland und mündet dann über das Rheindelta in die Nordsee.
Die Menschheit hat ihn in folgendermaßen aufgeteilt:
Alpenrhein (bis zum Bodensee), Hochrhein (einschließlich des den oberen mit dem unteren Bodensee verbindenden Seerheins), Oberrhein, Mittelrhein und Niederrhein, einschließlich der drei Mündungsarme des Deltarheins: Waal, Lek und IJssel.
Der Rhein und seine Anwohner waren über Jahrhunderte hinweg immer wieder Opfer von territorialen Auseinandersetzungen.
Der Rhein: Das sind Natur, Romantik, Märchen und Sagen, Industrialisierung, Schifffahrt, Kriege, Grenzen, Geschichte und vor allem Menschen!
Und nun zu meinem Projekt:
Drei Jahre lang begleite ich mit meinem Hund Otto den Rhein von der Quelle bis zu Mündung. Nicht in der "geographischen" Reihenfolge, sondern so, wie es uns möglich ist. Alles kann ich mit
Otto nicht gehen, wir werden improvisieren ;-)
Dabei betrachte ich den Rhein aus unterschiedlichen Perspektiven.
Historisch, gesellschaftspolitisch und vor allem künstlerisch. Themen sind u.a. Städte, Persönlichkeiten, Zeitepochen, Sagen und Märchen, Gespräche mit
Zeitzeugen. Dabei spielen für mich länderübergreifende Aspekte eine besondere Rolle, so z.B. die Deutsch-Französische Freundschaft, das
Europa-Parlament oder die mir kostenbedingt unbekannte Schweiz, immer im Fokus: das Verbindende, das Versöhnende
Ein weiterer Aspekt, ist der Fluss, die Nähe zum Wasser und wie es einen verwandelt.
Das Wichtigste für mich: Ich lasse mich vor Ort inspirieren.
Die Eindrücke halte ich in Form eines Reisejournals fest. Die Hauptthemen werden als einzigartige Illustrationen umgesetzt, die dann später als Kalender und als Bildband herausgebracht
werden. Die Ergebnisse sind aktuell noch vollkommen offen.
Ich freue mich riesig auf dieses wunderbare Projekt und lade Freunde und Bekannte dazu ein,
ein Stück der Reise mit mir zu gehen, oder zu fahren, oder zu fliegen... ;-)
