„Die eine Hälfte der Welt lacht über die andre, und Narren sind sie alle.”
Baltasar Grácian
Am 11.11. 11:11 Uhr startet bekanntlich die "Narrenzeit" aber richtig rund geht´s in den Karnevalshochburgen im Februar:
Grund genug sich mit einem Buch zu beschäftigen, das durch die Jahrhunderte hinweg Menschen vor allem in der Kunst immer wieder
fasziniert hat: "Das Narrenschiff" von Sebastian Brant.
Gleich zu Beginn meiner "Rhein-Recherchen" traf ich beim Thema "Basel" in dem – übrigens sehr empfehlenswerten – Buch: "
Der Rhein Eine literarische Reise" von Karl-Heinz Göttert
auf das "Narrenschiff" von Sebastian Brant und war sofort begeistert.
Sebastian Brant: (* 1457/58 –1521 in Straßburg) deutscher Humanist, Jurist, Professor für Rechtswissenschaft an der Universität Basel (1489–1500)
und von 1502 bis zu seinem Tod 1521 Stadtsyndikus und Kanzler der Freien Reichsstadt Straßburg.
Wikipedia
Dem Humanisten Sebastian Brant gelang etwas, das für seine Zeit unglaublich war: Er brachte 1494 einen Bestseller heraus!
„Das Narrenschiff“ – eine spätmittelalterliche Moralsatire – war das erfolgreichste, deutschsprachige Buch vor der Reformation.
Es wurde 1494 von Johann Bergmann von Olpe in Basel gedruckt und war auch das erste deutschsprachige Buch, das ins Englische übersetzt wurde.
Möglich wurde dies, weil Johannes Gutenberg ab 1450 die Druckkunst revolutioniert hatte. Und als zusätzliches "Highlight" geht man
davon aus, dass der junge Albrecht Dürer einige Holzschnitte für das Buch angefertigt hat.
Quasi ein Triumvirat spannender Persönlichkeiten, die so auch die Städte Mainz, Straßburg und Basel verbinden.
Aber um was geht es in dem "Narrenschiff"?
In der Moralsatire besteigen 109 unterschiedliche Typen von Narren das "Narrenschiff" und begeben sich auf die Reise nach "Narragonien".
Die unterschiedlichen Narren und ihre Narrheiten werden in 112 Kapiteln, incl. Vorwort und Schlusssequenz vorgestellt.
Dabei verkörpern viele der Narren in Brants Buch die "klassischen" Todsünden: Hochmut, Habgier, Wollust, Neid, Zorn, Trägheit, Völlerei
Es sind aber auch eine ganze Menge alltäglicher Narreteien dabei, die auch heute durch ihre Aktualität verblüffen.
So z.B. bei Nr 15, Von törichtem Anschlag:
"Wer bauen will, der schlage an,
Was ihn der Bau wohl kosten kann,
Sonst sieht er nicht das Ende an"
oder bei Nr. 21, Vom Tadeln und Selbertun
"Wer guten Weg zeigt andern zwar,
Doch bleibt, wo Pfütz und Moder war,
Der ist der Sinn´und Weisheit bar."
Die Kapitel sind gut verständlich, immer ähnlich aufgebaut:
max. vier Zeilen als Intro, dann folgt eine genauere Beschreibung, danach "belegen" Beispiele aus dem alten Testament oder der antiken Sagen-Welt die Aussagen des Verfassers.
Den Narren stellt Brant in einigen Kapiteln Menschen gegenüber, die nach Weisheit streben.
Ich selbst bin aktuell bei der Narrheit Nr. 89 angekommen und hoffe, dass ich die letzten 20 auch noch schaffe ;-)
Fest steht auf jeden Fall, dass "Das Narrenschiff" Menschen immer wieder fasziniert hat.
Angefangen mit Hieronymus Bosch, über Musik, Schauspiel, Schriftstellerei, Poesie, Bildhauerei, Malerei oder Zeichnung haben sich kreative Menschen mit dem Thema auseinandergesetzt.
Warum? Weil es zeitlos ist. "Narren" sterben nicht aus. Und wenn ich mir die aktuelle Weltlage ansehe, in der aus meiner Sicht besonders gefährliche Narren das Sagen haben, sehe ich viele gute Gründe, mich auch mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Wobei das Thema des "Narren", bei mir schon immer präsent war. Mehr dazu demnächst ;-)
