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Überraschende Einblicke – Blüchermuseum in Kaub

Vor drei Wochen waren Otto und ich im Blüchermuseum in Kaub.
Wir hatten eine Verabredung mit Jörg Dillenberger, Vorstandsmitglied des Blüchermuseums, um mehr über Generalfeldmarschall von Blücher und seine Zeit zu erfahren (– ja,  Otto durfte dabei sein, was ich super nett fand ;-)

Wer sich erinnert: Zwischen den Jahren hatte das Blücher-Denkmal in Kaub meine Neugierde geweckt. Denn: wer sich mit dem Rhein und in der Konsequenz mit der deutschen / europäischen Geschichte beschäftigt, muss sich auch mit Preußen, Napoleon und dem aufkommenden deutschen Patriotismus auseinandersetzen. Auch wenn es aus heutiger Sicht manchmal schwierig ist, lohnt sich die Annäherung an diese Zeit. Und dafür ist das Blüchermuseum in Kaub ein guter Ort!
Ich hatte das Vergnügen, von Jörg Dillenberger eine Führung zu erhalten, die mir einige spannende Einblicke ermöglichte, mit denen ich nicht gerechnet hatte.

Das Blüchermuseum befindet sich in einem 1780 erbauten Barockgebäude , zu Zeiten Blüchers das beste Haus am Platz – “Zur Stadt Mannheim“ – ein wirklich schönes Museum mit prächtigen handgemalten Tapeten und Möbeln.
Hier logierte Blücher, als er in der Sylvesternacht 1814 den Rheinübergang bei Kaub organisierte.

 

Fast wäre ich an zwei Vitrinen achtlos vorbeigegangen – Vitrinen mit Schmuckstücken, auf den ersten Blick nicht spektakulär.

„Gold gab ich für Eisen“ stand auf einem Schild:

Schmuck aus Gusseisen, dem sogenannten „Berliner Stahl“. 1813 hatte Prinzessin Marianne von Preußen an alle Frauen Preußens appelliert, ihren Goldschmuck abzugeben, um im Austausch dafür eine Eisenbrosche oder Ring mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“ zu erhalten. Damit sollte der Kampf gegen Napoleon unterstützt werden.
Zur Info: Am 14. Oktober 1806, hatte Napoleon Preußen in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt vollständig besiegt, was zum Zusammenbruch des alten preußischen Staates führte und später zu einer großen, nationalen Volksbewegung gegen Napoleon.

Das Tragen von Eisenschmuck war die  Mode aller, die damit ihren persönlichen Beitrag zur Unterstützung der Befreiungskriege dokumentieren wollten. Frauen, die keinen kostbaren Schmuck besaßen, gaben ihr Haar, aus dem Schmuckbänder gefertigt wurden.
Und auf einmal war sie da: Luise –  Herzogin zu Mecklenburg, bekannt als Königin Luise (* 1776 – 1810) aufgewachsen in Darmstadt bei „Prinzessin Schorsch“,  spätere Gemahlin des Königs Friedrich Wilhelms III. von Preußen. Charmant eroberte sie als junge Königin Berlin und wurde Zeugin der für sie so schrecklichen Niederlage Preußens gegen Napoleon. Angeblich kam sie über diese Schmach nie hinweg und starb an gebrochenem Herzen – so die Legende. Auf jeden Fall entwickelte sich daraus ein regelrechter "Luisenkult". Gewusst? ich nicht!

 

Königin Luise traf Napoleon übrigens  am 6. Juli 1807 in Tilsit, sie sollte ihn im Interesse Preußens für Friedensbedingungen milde stimmen: “Sie bot mir gegenüber allen ihren Geist auf, wovon sie viel besaß. Ihr ganzes Benehmen war sehr angenehm und ihre Koketterie war nicht ohne Reiz. Dennoch war ich entschlossen, fest zu bleiben;.." so Napoleon in einem Brief. Genutzt hat es nichts. Preußen verlor die Hälfte seines Territoriums und seiner Bevölkerung – alle Gebiete westlich der Elbe sowie die polnischen Besitzungen. Hinzu kamen gewaltige Zahlungsverpflichtungen von 400 Millionen Talern. Dies wurde die Basis für den erbitterten, preußischen Widerstand gegen Napoleon, der letztendlich 1825  mit dem Sieg in Waterloo endete.

Und da bin ich bei Napoleon angekommen. Eigentlich wollte ich über Blücher schreiben, aber das muss warten, Napoleon auch. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich all die Eindrücke der letzten Wochen hier aufführen würde. Aber zwei Dinge habe ich im Blüchermuseum über Napoleon gelernt: Zwei französische Errungenschaften kamen mit dem Code Napoleon in die deutschen Lande: der Urmeter und das Kilo!
Schluss mit dem Maß der Elle, die in jedem Ort andere Längen hatte. Napoleon ließ an Märkten "Meter" in Marmor aufstellen und brachte damit Ordnung und Gleichgewicht in das metrische Chaos! Dank dir Napoleon… DAS hast du gut gemacht...

Herzlichen Dank an Jörg Dillenberger und all die Ehrenamtlichen, die das Blüchermuseum zu einem Ort lebendiger Geschichte machen. Demnächst mehr! UND der Bericht zu Blücher und dem Rheinübergang folgt demnächst!