Schon gewusst? Im Rhein steckt ein Gebirge – mit Löchern – z.B. das Binger Loch, das aber eigentlich gar kein Loch ist, sondern eine Ansammlung von Felsen, die aus dem Rhein herausragen und der Schifffahrt das Leben schwer machten – bis - ja – bis das geändert wurde...


Begradigt, beschleunigt und ausgedehnt fließt der Rhein in der Oberrheinischen Tiefebene an Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen vorbei. Ab Worms darf er noch ein bisschen schlenkern, dann legt er sich bei Mainz und Wiesbaden in eine großzügige Kurve durch den Rheingau und plötzlich wird es eng:
Genau zwischen Rüdesheim und Bingen trifft er auf das Rheinische Schiefergebirge. Und ab da geht es abwärts – sicher ein Fluss fließt bergab, das ist sein Job – das Gefälle des Rheins von Basel bis zur Nordsee beträgt ca. 248 m. Aber ab Bingen nimmt der Rhein richtig Fahrt auf. Es ist eng und die nachströmenden Wassermengen drängen in die schmalen Rheinschluchten. Und es wird schnell: allein die Strecke von Bingen nach St. Goar, rund 27,5 km, hat in etwa 12,5 m Gefälle.
Das Rheinische Schiefergebirge setzt sich unter Wasser weiter fort und der Rhein umstrudelt Felsen und Stromschnellen, über Jahrhunderte eine große Gefahr für die Schifffahrt. Am bekanntesten ist der Loreleyfelsen, reichlich besungen und romantisiert.
Aber auch bei Bingen war es über Jahrhunderte gefährlich!
Eine Ansammlung von Stromschnellen bildete ein gefährliches Riff mitten in der Engstelle des Rheintals – das Binger Loch. Im April war ich extra in Bingen, um mir das mal anzusehen...

Auf jeden Fall regte dieser Engpass bereits im Mittelalter dazu an, Zollstationen aufzubauen. So wurden der berühmte Mäuseturm, die Burg Ehrenfels oder die Burg Pfalzgrafenstein als
Zollstationen errichtet.
Mit den Zolleinnahmen kamen auch administrative Strukturen.
Schon früh entstanden hier Orte der Verwaltung und Organisation. Und es gab immer Menschen, die den Rhein besonders gut kannten und die beauftragt wurden,
Schiffe und Mannschaften durch die gefährlichen Passagen zu navigieren: Die Lotsen
Lotsen haben mich schon immer fasziniert:
Das Bild eines Menschen, der an Bord steigt und ein Schiff samt Mannschaft zuverlässig durch schwieriges Gewässer leitet – ein Spezialist für Gefahrenzonen. Ein für mich sehr bewegendes
Thema.
Über dieses Bild des Lotsen schiebt sich ein weiteres:
Die Karikatur „Der Lotse geht von Bord“, einZeichnung von John Tenniel, die 1890 in der britischen Satirezeitschrift Punch veröffentlicht wurde. Sie zeigt, wie der betagte Reichkanzler Otto von Bismarck unter den Augen des noch jungen Kaisers Wilhelm II. das große Regierungsschiff verlässt. Hintergrund: 1888 hatte Wilhelm II. die Regentschaft übernommen. Zwischen ihm und Bismarck stimmte die „Chemie“ überhaupt nicht – in der Folge wurde Bismarck am 17. März 1890 entlassen – das Ende einer Ära. Nicht, dass man Bismarck und seine restriktive Politik vermissen würde. Aber was auf den "Lotsenabgang" in der Konsequenz folgte, war der 1. Weltkrieg.

Man sieht: Das Bild des Lotsen hat bereits vielen Menschen bewegt. Für dieses Thema habe ich mir immer wieder Zeit genommen. Schließlich hatte ich gar keine Ahnung und musste mich wenigstens ansatzweise einarbeiten. Ich startete mit einem Besuch des Schifffahrtsmuseums in Koblenz, fuhr nach Bingen und Rüdesheim, um das Binger Loch zu "sehen" und traf mich insgesamt drei Mal mit Heinz-Dieter Gimpel aus Kaub, einem ehemaligen Lotsen und Schiffsführer, zu mehreren spannenden Gesprächen. Denn die Geschichte der Lotsen ist Teil der Rheingeschichte und das Schicksal von Kaub und den Nachbargemeinden Bingen und St. Goar hat auch zu unserer heutigen Zeit viele Parallelen. Mehr dazu demnächst ;-)
